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300: Rise of an Empire Filmkritik

Eigentlich wäre die Kritik zu 300: Rise of an Empire ein bis zwei Tage früher gekommen, sprich pünktlich zum Heimkinorelease, aber ich musste mir erst klar darüber werden, ob mir der Film nun gefallen hat oder nicht.

Einerseits ist der Film eine optische Kopie des großartigen ersten Teils, andererseits kann er ihm in keinster Weise das Wasser reichen, und das, obwohl ihm das kühle Nass zumeist bis zum Halse steht. Und damit wären wir bei einem Kernpunkt des Sequel-Prequels angelangt. Auf hoher See treiben Nussschalen zweier Parteien aufeinander zu, crashen sich gegenseitig gen Meeresboden und legen unbekümmert und physikalisch fragwürdig auch gerne mal den Rückwärtsgang ein. Während das Holz der Kriegsschiffe in alle Himmelsrichtungen splittert, splattern dem Zuschauer, besser gesagt der Kamera, Blut und Gedärme entgegen. Und als ob der 3D-Effekt damit nicht schon genug beschäftigt wäre, fliegen mehr Feuerpartikel durchs Bild, als Brandherde auffindbar sind.

Optik, Optik, Optik. Für Teil 2 musste man - konsequenterweise - auf das Zugpferd Gerard Butler verzichten. Anstelle des beinahe unbezwingbaren Leonidas sehen wir mit Sullivan Stapleton einen bis dato relativ unbekannten Schauspieler und damit eine beinahe billige Kopie, erkennbar am (diesmal) blauen Gewand. Und da sich die Macher scheinbar schon vor der Produktion darüber im klaren waren, dass Sullivan Stapleton nun wirklich niemanden vom Hocker reißen dürfte, setzte man auf Optik, Optik und nochmal Optik. Ein sehenswertes Spektakel ist 300: Rise of an Empire ohne Frage, doch mehr auch nicht. Über Sinn oder gar Unsinn darf man sich keine Gedanken machen, auch dann nicht, wenn eine dem Drehbuch geschuldete Sexszene ohne Mehrwert nur dazu da ist, dass im Film eine Sexszene da ist. Dazu kommen brutalste Bilder, selbstverständlich der Comicvorlage geschuldet, vor allem aber als optische Täuschung eingesetzt, um die Unzulänglichkeiten des Films ansatzweise zu übertünchen.

Mag man sich nun über den völlig überforderten Hauptdarsteller aufregen? Über die erzwungen wirkende Geschichte? Oder gar über die Szene mit dem Pferd? Eigentlich mag man sich gar nicht aufregen, wird aber schon beinahe dazu gezwungen. Ob nun die Seeschlachten oder die Slomo-Kämpfe, nichts wirkt wie aus dem Guss, der einst 300 nährte. Einfallsreichtum wich in 300: Rise of an Empire einer böswilligen Verschleierrungstaktik. Als Filmfan hat man nicht selten das Gefühl, für Dumm verkauft zu werden. Und so bleibt letztendlich nur eine Frage: Warum sollte man sich diesen Film überhaupt ansehen? Man sollte nicht, man kann aber. Wahre Fans des ersten Teils werden mit dieser Fortsetzung keine Freude haben. Gorehounds allerdings, die schon 300 nur der Optik wegen sahen, werden auch hier die eine oder andere nennenswerte Szene entdecken, oder sich diese zumindest einzureden versuchen.

300: Rise of an Empire hat mich enttäuscht. Und dabei sind es nicht einmal die zahlreichen Seeschlachten, mit denen ich einfach nicht warm wurde. Vielmehr wussten mich weder der Hauptdarsteller, noch die geisterhaft unbarmherzige Eva Green zu irgendeiner Sekunde mitzureißen.

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