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Snowpiercer Filmkritik

Chris Evans, den meisten bekannt als Captain America, ist auf den Zug gekommen. Oder besser: In den Zug. Ein Zug, der durch eine eisigkalte Zukunft rast, nur um sich selbst und die in zwei Schichten geteilte Besatzung vor dem sicheren Tod zu schützen. Chris Evans aka Curtis sitzt im hintersten Waggon des etwa 650 Meter langen Zuges mitsamt dem ganzen Abschaum“ fest, der sich vor Hunger beinahe gegenseitig auffrisst. Irgendwann hat die Gruppe genug und will sich zum reichen Obermacker ganz vorne durchkämpfen, selbstverständlich angeführt von Curtis. Was folgt, ist das gute alte Schichtprinzip, das zuletzt in The Raid und Dredd so wunderbar funktionierte. Nach und nach kämpft und quält man sich durch die unterschiedlichsten und in Themenwelten getauchten Waggons, befüllt mit Absonderlichkeiten und Brutalität.

Bewegter Comic

Seine Comicherkunft merkt man den Film zu jeder Sekunde an. Die Charaktere wirken stets zu verspielt oder gänzlich absonderlich. Sie agieren zumeist diffus und ihr äußeres Erscheinungsbild ist ihrem Handeln perfekt angepasst. Dazu kommt, dass der Film vor Logiklöchern nur so strotzt. Irgendwann gab ich es auf, darüber nachzudenken, wie etwas nun zustande kam oder ob das so wirklich Sinn ergeben hätte. Und hat man den Denkmechanismus erst einmal ausgeschaltet, kann man durchaus Gefallen am makaberen Geschehen finden, das mich zu wirklich jeder Sekunde an einen anderen Film erinnerte. (Bis jetzt weiß ich nicht, welcher das war, wenngleich ich weiß, dass er existiert.) Zurück zum letzten Zugabteil, das der Unterdrückung zu Nazizeiten in nichts nachsteht. Schmutz, Verzweiflung und Wut sind die wesentlichen Bestandteile, gehüllt in eine rostfarbene Umgebung. Umso logischer ist es, wenn die stets weiter schrumpfende Kampfherde um Curtis irgendwann durch den fahrenden Gemüsegarten oder die mobile Diskothek stapft. Kaum eine Welt wurde ausgelassen, außer vielleicht den Unterkünften all jener, die in den oberen Schichten leben. Aber da wären wir dann wieder beim Sinn, den man letztlich nicht hinterfragen sollte.

Interessanter Ausgang

Snowpiercer ist kein Actioner, wenngleich die wenigen Actionszenen durchweg zu gefallen wissen. In diesen wird nicht wirklich zimperlich aufeinander eingeschlagen und geschossen. Das Blut spritzt und auch die Eiseskälte außerhalb des Zuges wird mehr oder minder sinnvoll genutzt. Abstrus wird es dann erst wieder wenn die Hackfleischmännchen in ihren SM-Klamotten auf die Gruppe rund um Curtis warten. Genau zu diesem Zeitpunkt musste ich mich wieder kräftig wachrütteln und an den Gedanken erinnern, dass es sich um eine Comicverfilmung handelt. Hätte ich das nicht getan, wäre der Finger wohl unaufhaltsam weiter in Richtung Ausknopf gewandert.

Was hat es mit dem Zug wirklich auf sich, warum ist Curtis so geheimnisvoll und allgemein stimmt da doch irgendetwas nicht..?! Die Lücken werden nach und nach geschlossen, bis schließlich zum Ende hin mit einem großen Paukenschlag das Geheimnis gelüftet wird. Und mit Abteil 1 endet dann logischerweise auch die Reise unseres unfreiwilligen Helden. Ob einem dieses Ende dann auch gefällt, ist ein ganz anderes Gleis. Das wird definitiv jeder anders sehen. Ich persönlich konnte mich nicht damit anfreunden, war aber froh darum, dass man nicht auf das allzu typische Hollywood-Ende setzte.

Fazit

Die solide Grundidee entgleist kurz vor dem Bahnhof. Snowpiercer ist in gewissem Maße toll geworden, krankt aber an seiner Comicherkunft und den damit einhergehenden Logiklöchern, die mir beständig sehr zu schaffen machten. Abseits davon aber wissen Optik und Szenerie, zahlreiche Charaktere und vor allem Chris Evans in einer mal etwas anderen Rolle sehr zu gefallen.

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