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Spectre Filmkritik

Der Spot geht an, Daniel Craig läuft gewohnt gelassen innerhalb des Lichtkegels, zückt seine Walther PPK und drückt ab. Der Screen färbt sich rot, dann schwarz und erzählt uns etwas über den Tod. Szenenwechsel. Wir befinden uns in Mexiko, der Día de Muertos, der Tag der Toten, wird gefeiert und James Bond ist mit einer südländischen Schönheit mittendrin. Wir als Zuschauer haben damit den farbenfrohsten Fleck im ganzen Film erreicht, denn was danach folgt ist im wahrsten Sinne des Wortes Tod und Verderben.

Spectre” ist düster

Jeder braucht ein Ziel im Leben, so auch der Gegenspieler in diesem Film, Franz Oberhauser, vertraut gut von Christoph Waltz gespielt. Er hat nichts anderes im Sinn, als Bond das Leben zur Hölle zu machen und, bevor ich es vergesse, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Letzteres allerdings deutlich weniger ausgeprägt. Oberhauser stellt DEN großen Knotenpunkt zwischen allen Craig-Bond-Filmen dar und darf damit so einige noch offene Fragen so gequält wie erzwungen beantworten.

Nach dem bunten und äußerst sehenswerten Treiben in Mexiko verfällt der Film in eine Düsternis, aus der es bis zum Ende kein Entrinnen mehr gibt. Bonds scheinbarer Niedergang wird durch bedrückende Bilder verstärkt. Das ist einerseits schade, andererseits erhält es eine gewisse Spannung aufrecht. Nicht selten nahm ich meine Armlehne in den Würgegriff, ohne es selbst zu merken.

Bond-Action

Spectre” glänzt mit zahlreichen Actionszenen, die so sehenswert wie gewöhnlich ausgefallen sind. Da wären der Kampf im Helikopter zu Beginn, etwas unüberschaubar geschnitten, äußerst unrealistisch gehalten. Dann eine Verfolgungsjagd inkl. Bond-Gadgets, die nur selten das Geschwindigkeitsgefühl aufkommen ließ, das die Flitzer eigentlich zu vermitteln wüssten. Bond darf Flugzeuge zu Schrott fliegen, selbst durch Holzwände geworfen werden oder - und da wurde mir tatsächlich etwas übel - die Bekanntschaft mit schmerzhaften Bohrern machen. Doch Bond lässt all das unbeeindruckt. Wie in den früheren Filmen mit Connery oder Moore hat nun auch Craig keinerlei Kratzer mehr und steht stets wie eine Eins - wie gewohnt in mehrerlei Hinsicht.

Der Film bringt ein gewisses Back to the roots Feeling mit. Man fühlt sich in Spectre” den klassischen Bond-Filmen deutlich mehr verbunden, als es einst noch mit Casino Royale” der Fall war. Regisseur Sam Mendes bewies hierfür bereits mit Skyfall ein gutes Händchen.

Bond-Momente

In einem Videospiel mit dem Craig-Bond konnte man vor nicht allzu langer Zeit sog. Bond-Momente auslösen, gewisse Scriptszenen, die besonders auffällig waren. Solche Bond-Momente gibt es im Film zwar auch, allerdings deutlich weniger ausgeprägt. Als der Film nach - stellenweise endlosen - 148 Minuten zu Ende war, überlegte ich, was wohl meine Lieblingsszene aus dem Film sei, bzw. woran ich mich noch lange erinnern würde. Und siehe da, mir fiel nichts ein.

Dennoch gibt es die eine oder andere Szene, die mir ganz besonders gefiel, so zum Beispiel die Fahrt in einem klassischen Zug, mitten in Afrikas Nirgendwo. Szenerie und Stimmung waren in diesen paar Minuten wohl mehr Bond-like als vieles zuvor.

Bond, -Girls & -Gegner

Daniel Craig wirkt als 007 immer noch agil und passend. Er gibt eben seine vertraute Performance, nicht mehr, nicht weniger. Schön fand ich sein Zusammentreffen mit Dave Bautista, einem schier unzerstörbaren Berg von Mann - Wortlos bis zur letzten Sekunde.

Léa Seydoux durfte diesmal in die Rolle des Bond-Girls schlüpfen und trumpft mit Belanglosigkeit, ganz davon abgesehen, dass sie sichtbar zu jung für den mittlerweile 47 Jahre alten Daniel Craig ist. Als Mädchen zwischen den Fronten ist sie so abgebrüht wie fragwürdig. Ihre Erscheinung im gesamten Film fiel eher Zweitrangig aus, sodass Spectre” vermutlich auch ohne sie ganz gut funktioniert hätte.

Fazit

Spectre” ging durch die Mexiko-Szene auf die Überholspur, konnte im weiteren Verlauf allerdings nicht an Casino Royale”, den immer noch besten Craig-Bond-Film, vorbeiziehen. Der Film ist spannend, actionreich und vor allem düster, allerdings kein Meisterwerk. Mir persönlich war Spectre” etwas zu gewöhnlich, obgleich ich die Verknüpfung zu den vorangegangenen Filmen - auch weit über die Craig-Bonds hinaus - zu schätzen wusste.

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